Quellenkritik

Oder: Was haben die Bibel und Attila Hildmanns Aussagen gemeinsam?

«Informieren Sie sich besser!», «Der Experte xyz sagt…» oder «Das zeigen hunderte Videos auf YouTube…» sind Argumente, die keine sind. Diese Aussagen kommen immer dann, wenn es argumentativ eng wird. Die sind fast so gut wie «Guck dich doch mal an.» In der aktuellen Corona-Krise trifft man immer häufiger auf diese Aussagen. Was wichtig ist, beim Lesen der Bibel oder von Beiträgen Attila Hildmanns und Co: Die Exegese.

Die Welt steht Kopf, das Corona Virus beherrscht die Schlagzeilen der Medien, es füllt die Intensivstationen und versetzt die Menschheit in Angst und Schrecken. Leider nutzen einige Gruppierungen, ich nenne sie einmal «SIE», die Situation aus und treiben die gesellschaftliche Spaltung voran. Zeit also, aufzupassen und kritisch zu bleiben.

Denn SIE akzeptieren keine anderen Argumente und zitieren nur Quellen, die ihnen nützen. Das ist nicht sehr aufgeklärt. Denn sie glauben, dass sich eine andere Gruppierung, nennen wir sie «DIE», die Welt und ihre Gesellschaften untertan machen will – das nennt sich dann oft DeepState oder mündet in kruden Ideen wie QAnon. Und DIE wollen andere Meinungen unterdrücken. Deswegen nutzen SIE alternative (Werbe)Plattformen wie YouTube, Facebook, Blogs und Co, um ihre Theorien zu verbreiten. Denn wer da am lautesten schreit und Likes generiert, der bekommt mehr Aufmerksamkeit und muss ja automatisch recht haben (hat er nicht). Und wenn etwas wegen grober Fake News gelöscht wird, dann ist Feuer unter dem Dach der Meinungsfreiheit.

Es tut weh

SIE verwenden of hanebüchene Thesen, die Behauptungen sind oft unterirdisch und zweifelhaft oder gar nicht belegt (Stichwort „Die/der Experte sagt“ oder Stochastische Schwächen offenbarende zusammenhangslose Interpretationen von Studien). Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden diese Menschen mit Zwangsjacke in die Gummizelle gesteckt. Heute posaunen vegane Köche oder Sänger ihren Dummfug über Social Media Kanäle wie Telegram hinaus. Wie dem Rattenfänger von Hameln gleich, aktivieren sie weite Teile der Bevölkerung und locken sie hinter sich her. Um sich hier zu schützen, nicht vor Corona sondern vor dem Quatsch hilft nur, kritisch die Quellen anzuschauen. Die Frage muss immer lauten: cui bono (wem nützt es)?

Screenshot von Facebook, 16. Oktober 2020

Verstand anschalten

Wie bei der Bibel oder generell sämtlichen Quellen auch, sollte der aufgeklärte Mensch innehalten und seinen Verstand einschalten. Die erste Frage muss lauten: «Warum?» die zweite Frage: «Wem nützt es?» und dann natürlich «Wer steckt dahinter?» sowie «Wo kommen Autor und Text her?». Eigentlich nicht viel mehr, als es unsere Vorväter im Zeitalter der Aufklärung vorgemacht haben.

Auschschnitt aus „Zeitenschrift“ Nr. 103/2020


Oftmals ist die Erkenntnis recht easy: Die Autoren haben ein politisches Motiv oder ein klar wirtschaftliches. Im Falle meines Screenshots ist es vermutlich das eher politisch-getrimmte Narrativ. Es gilt, die aktuelle Lebensweise gegen sämtliche Veränderungen (und wirtschaftliche Implikationen auf das angestammte Geschäft) zu schützen. Bei dem Bild aus der «Zeitenschrift» ist es ein wirtschaftliches Interesse, die vom Verlag oder verlagsnahen Unternehmen vertriebenen Heilmittelchen zu verkaufen. Und nein, das betrifft nicht nur Corona, auch Themen wie Klimawandel, Migration oder Mobilität sind davon betroffen.

Also, probiert es mal aus. Es ist gar nicht so schwer und ist manchmal sehr erhellend zu sehen, welche Trolle hinter dem Ganzen stecken.

Nachtrag: Über den unkritischen Umgang mit Bildern kann man hier eine Bilderbuchgeschichte lesen: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/jahrzehnt-des-hoaxing-unglaublich-aber-falsch-a-666310.html?sara_ecid=soci_upd_wbMbjhOSvViISjc8RPU89NcCvtlFcJ


P.S. Beispiel wirtschaftlichen Interesses verargumentiert mit dem berühmten Wissenschaftler Prof. Dr. Pirkheimer:

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