Lawinen und Heuristik

„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ So alt dieses Sprichwort ist, so richtig ist es. Doch häufig, sowohl in Lawinengebieten wie auch in der Kommunikation, kann man entscheiden, wann die Gefahr “tödlich“ ist und wann man das Risiko eingehen kann. Und diese Entscheidungen müssen rational gefällt werden.

Wer aber seine Entscheidungsregeln, also die Heuristik, seine Massnahmen und Kommunikationsstrategien nach Gefühl ansetzt, der kommt in der erwähnten Gefahr mit grosser Wahrscheinlichkeit um, bildlich gesprochen. Und da ist das Bild mit den Lawinen leider ganz passend, denn selbst in Sachen Lawinen ausgebildete Alpinisten kommen bei Lawinenunglücken zu Tode, leider gibt es auch heuer wieder viel zu viele Opfer – rund um die Erforschung der Heuristic Traps empfehle ich die Lektüre dieses Papers. Um den Bogen wieder zur Kommunikation zu schlagen: Wer seine Kommunikation nicht auf Fakten, rationale Überlegungen und objektive Grundlagen aufbaut, der wird Probleme bekommen. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross.

Wunderschön, doch auch riskant. Erfahrene Alpinisten erkennen sofort, hier auf der Axalp ist auf diesem Bild das Risiko einer Lawine eher gering.

Lawinen und Kommunikation

Was hat das mit Lawinen zu tun? Eigentlich eine Menge. Denn, schaut man sich wissenschaftliche Paper (siehe oben) zur Erforschung von Lawinenopfer und die Gründe für solche Unfälle an, so ist eines auffällig: Die Opfer hätten es besser wissen können, sind aber in die so genannte Heuristic Trap gestapft.

In der Kommunikation ist es ähnlich. Viele Unternehmen, die sich einem Shitstorm oder in der öffentlichen Kritik befinden, hätten es besser wissen müssen und nur etwas anders agieren müssen, um einer Krise zu entgehen. Schauen wir uns beispielsweise die Deutsche Bahn und ihr Twitter Desaster um Greta Thunberg an. Etwas mehr Recherche, Ratio und Gelassenheit hätten genügt, um nicht wie der Depp dazustehen. Aber nochmal, selbst erfahrene Kommunikationen können in diese Falle tapsen – in die Heuristic Traps.

Fallgruben

Beliebte „Fallgruben“ sind Aussagen wie „Das haben wir schon immer so gemacht und es kam gut.“ Oder „Andere haben es auch so gemacht und überstanden.“ Noch gefährlicher sind Aussagen wie: „Wir müssen die Chance jetzt nutzen!“ Oder „Das haben wir unserem CEO/Vorstand/Chef aber versprochen, das in diesem Timing zu machen.“ (schaut dazu auch diesen Text an). Doch Auswege zu nehmen, das fällt dann schwer. Denn die Argumentationen gegenüber Stakeholdern sind aufwändig und kosten Zeit.

Doch gerade dieses Risiko sollte man in Kauf nehmen, denn im schlimmsten Fall leidet die Reputation unter unüberlegten Aktionen oder gar der „Tod“, vgl. Elon Musk und sein Beinahe-Unglück. Also, aufpassen und rational überlegen, dann handeln. Um dann auch mit einem ebenso alten Ingenieursspruch zu schliessen: „Erst sehen, dann drehen.“

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